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Kunst für Kinder: Die Kita Rabenhorst auf den Spuren von Max Liebermann und Ernst Barlach

Hamburg hat für kunst- und kulturinteressierte Menschen eine Menge zu bieten: es gibt die alte Kunsthalle, gleich nebenan präsentiert die Galerie der Gegenwart zeitgenössische Kunst, an der Elbe kann man Skulpturenparks besuchen und die Auswahl aus dem Theater- und Lesungsprogramm der Stadt fällt angesichts der Überfülle des Angebots schwer. Dass vieles aus dieser kulturellen Überfülle auch für Kinder erschlossen werden kann und wie Kinder von diesen Ausflügen in eine eher unvertraute Welt profitieren können, das zeigt die Erzieherin Monika Kröger aus der Kita Rabenhorst in ihrem Text. Mädchen und Jungen aus der Mäuse- und Panda-Gruppe der Kita, alle zwischen 4 und 6 Jahren alt, haben gemeinsam mit ihren Betreuerinnen Exkursionen gemacht, die von der Kunsthalle bis zum Jenisch-Park führten."Schauen, beobachten, entdecken, fühlen, malen und das alles mit Spaß und Freude - das wollen wir mit  unseren  Ausflügen", sagt Frau Kröger. "Diese Entdecker- und Beobachtungsfreude haben die Kinder so intensiv entwickelt, dass wir für unsere Kulturreisen in Hamburg nun schon wieder neue Ziele planen - und so den Begriff 'Bildung im Kindergarten' weiter mit Leben füllen wollen!"




"Im Garten von Max Liebermann" entstand die Idee für unser Angebot:

 

In den Sommerferien hatten sich acht Vorschul- und Schulkinder auf das 'Abenteuer Kunst' eingelassen und sind den Spuren des berühmten Malers Max Liebermann gefolgt. In der Kunsthalle lief in den Sommermonaten gerade die Ausstellung "In Max Liebermanns Garten", eine Ausstellung, die nur mit den stimmungs- und farbintensiven Gartengemälden dieses bis 1935 lebenden Künstlers bestückt war. Ganz unvorbereitet sind wir allerdings nicht in die Ausstellung gegangen: Vielmehr haben wir uns anhand des wunderbaren Kinderbuchs: "Der Garten am Wannsee. Maria besucht Max Liebermann" (von Sabine Carbon und Barbara Lücker, erschienen in der edition SABA 2004) in die Zeit und Welt von Max Liebermann versetzt. In diesem Kinderbuch gehen ein Opa und seine Enkelin Maria auf Entdeckungstour an den Wannsee in Berlin, in die Villa des Malers. Die kleine Maria aus dem Buch stellt dabei viele Fragen an ihren Opa, die Kindern eben einfallen, wenn sie Bilder anschauen: Wieso hat der Maler Gänserupferinnen gemalt - und was sind überhaupt Gänserupferinnen? Gab es damals auch schon Fotos, und warum hatte der Künstler Streit mit dem Kaiser? Was ist ein Kaiser? Mochte der die Bilder von Max Liebermann vielleicht nicht?

 

In dem Bilderbuch sind nicht nur die bekanntesten Gemälde abgebildet, sondern auch Fotos aus dem üppigen Garten zu sehen, in dem der Künstler oft malte. Ein Lageplan zeigt, wo Max Liebermann am häufigsten seine Staffelei aufgebaut hatte. Das Bilderbuch habe ich mit in die Austellung genommen - und so kam ein Kind auf die Idee danach zu schauen, wo Max Liebermann gestanden haben könnte, als er die Bilder, die nun vor ihnen an den Wänden hingen, schuf. Ohne 'Anleitung' unsererseits hatten die Kinder so begonnen, sich in den Künstler zu versetzen und die Gemälde zu interpretieren. Sie wählten sich dann Bilder aus, die sie besonders mochten, und die sie mit den mitgenommenen Utensilien (Sets als Unterlagen, Buntstifte in einem Buntstiftbeutel, sowie Papier für jedes Kind) nachmalten: interessiert, mit sachlichen Kommentaren und Diskussionen und voller Konzentration.

 



Natürlich interessieren sich Kinder im Museum auch brennend für alle Dinge rund um die Kunst: Bevor wir uns die Bilder in Ruhe anschauen konnten, musste z.B. zunächst das Thema 'Alarmanlage' genauestens hinterfragt werden: Wie funktioniert so ein Ding und ob Diebe da wirklich keine Chance haben? Ebenso spannend: Was sind das für Dosen im Fußboden? - die sich dann als installierter Steckdosen entpuppten.

 

Nach einer Spielphase auf dem Sockelgeschoss der Kunsthalle sind wir dann in Richtung Alster spaziert und haben auf der Fahrt mit dem Alsterschiff nach Winterhude unser Mittagspicknick eingenommen. Dabei schwärmte Fred: "Das war der schönste Ausflug in meinem Leben. Danach kommt die Fahrt mit dem Reisebus zum Fußballstadion!" Und das will etwas bedeuten, denn Fred ist absoluter Sportfan, ob Fußball oder Hockey.

 

Dieser Ausflug hatte den Kinder so viel Spaß bereitet und sie waren so begeistert und aktiv bei Schauen, Entdecken, Erleben und Malen, dass bei uns die Idee entstand: "Dies ist eine wunderbare Möglichkeit, den Kindern die Welt der lebendigen Kunst und Kultur nahezubringen, als Gegenpol zu Fernsehen und Computer. Das Ganze soll kein Ferienprojekt bleiben, sondern wir suchen in der Stadt nach anderen Angeboten, die Kindern den Zugang zu Kultur erleichtern."

 

Und so haben wir unser Kultur-Angebot weiter umgesetzt:

 

Wir gestalteten das Angebot gruppenübergreifend. Je nach Angebot bzw. ob ein oder zwei Begleiterinnen mitgingen, wurde die Gruppenzahl zusammengestellt. Im Durchschnitt waren aber immer 8-12 Kinder unterwegs.

 

Unser nächstes Ziel war das Zoologische Museum. Wir begannen mit einem Freiluftfrühstück - doch nach der Bekanntschaft mit lebendigen und anhänglichen Wespen haben wir uns lieber in das Museum geflüchtet, speisten dort zu Ende, um dann schauend und entdeckend durch die Säle zu spazieren und die ausgestopften Tiere zu betrachten. Tiger, Bären und Seehunde waren so beeindruckend, dass die Kinder schon ganz aufgeregt wurden: "Wann malen wir denn endlich?" Also, jeder seine Malutensilien herausgeholt. Rul: "Ich mal den Tiger!", Tomas: "Ich mal den Bär", während Jo und Eli andere Präferenzen hatte: "Wir gehen zu den Hasen". Jolis war schneller mit seinem Bild fertig: "Ich bin fertig, kann ich noch eins malen? Ich geh zu den Seehunden". Dieses Sich-Frei-Bewegen der Kinder im Museum ist uns wichtig, denn unsere Ausflüge sollen ja nicht den Charakter vorgefertigter Veranstaltungen haben, sondern die Kinder sollen ihrer Neugier, ihrer Wissbegier möglichst freizügig folgen können. So saßen, lagen oder knieten unsere Kinder vor ihren Lieblingstieren und malten. Etwas unsichere Kinder fragten: "Ich kann das nicht! Malst du mir vor?" "Mal doch einfach wie du es siehst, du kannst es!" Und ein paar Minuten später kam ein stolzes "Guck mal!" Tob erklärte: "Ich mal einen Menschen!" Solche Abweichungen vom 'Programm' sind völlig ok - denn unser 'Programm' besteht ja nicht in einer Zwangsverpflichtung der Kinder auf ein bestimmtes 'Pensum', sondern darin, jedes seinen Weg zur Kreativität finden zu lassen. Deshalb griffen wir auch nicht ein, als Dave sich entschied: "Ich mal ein Haus mit einer Nummer!"

 

Das Zoologische Museum barg für die Kinder eine Menge Eindrücken und Anregungen, von denen sie sich möglichst viele erschließen wollten: als wir schon unsere Sachen zusammenräumten, kam aus einer Ecke von Ani mit vorwurfsvoller Stimme: "Du, den Raum da hinten haben wir noch gar nicht gesehen!" Also schauten wir uns noch die Tiere dort an. Doch als wir auf dem Rückweg in der S-Bahn das Fragespiel spielten: "Was hat euch am besten gefallen" und "Was fandet ihr am schlimmsten?" kam von zwei Kindern: "Der Vogel, der die Eier gefressen hat" - eben aus diesem letzten Raum. Die Nachbereitung solcher Exkursionen im Gespräch mit den Kindern ist sehr wichtig: Einmal platzen sie vor Eindrücken und wollen sich mitteilen, zum anderen kann man jetzt auch negative oder ängstigende Erinnerungen bearbeiten. Und nicht zuletzt: angesichts der vielen Anregungen kommen selbst gehemmtere Kinder aus sich heraus und üben ganz nebenbei, das Erlebte zu beschreiben, neue Wörter zu wiederholen und zu gebrauchen.

In der Kita konnten wir dann anhand des wunderbar detailreichen Buches "Die Kleider der Tiere" aus der Serie "Abenteuer Kunst" im Prestel Verlag noch einmal die Eindrücke Revue passieren lassen.

 


Unser zweites Ziel war erneut die Kunsthalle und die oben schon beschriebene Ausstellung von Max Liebermann. Das Bilderbuch von Maria und ihrem Opa hat uns wieder begleitet und auch sonst war der Tag genauso gestaltet wir der erste Ausflug im Sommer. Doch wie jeder weiß: andere Kinder - andere Erlebnisse.

Diese Mal war nicht die Alarmanlage wichtig, nein, beim Betrachten und Entdecken haben die Kinder gleich nach ihren Malobjekten geschaut und haben sich für die hellen, freundlichen Nutzgartenbilder entschieden. Die Sommergruppe hatte Bilder vom See, vom Hund und ein Motiv vom Haus gewählt.

 

Unsere Ani lag alleine vor einem Bild und malte intensiv, als eine geführte Gruppe sich um das Bild platzierte und dem Vortragenden lauschte. Und Ani? Sie lag und malte in aller Seelenruhe weiter, die Gruppe war weg, sie malte zu Ende und holte ein Papier für das neue Bild. Ganz unbeeindruckt auch von den Kommentaren älterer Kunsthallenbesucherinnen "Ach, ist das nicht süß?!" - "Nein, sind die artig!" - "Sind die goldig!" - "Ist dies eine Malschule?" Dann entdeckte Jak, der sein Malen für sich als beendet betrachtete, den Luftfeuchtigkeitsmesser und den mussten wir erst einmal anschauen und erläutern.

 

Doch die Impressionen aus der Kunsthalle gingen deshalb nicht verloren: Einige Tage später erzählte uns die Mutter von Rul: "Ruls Oma rang neulich ein wenig um Fassung, als sie während einer S-Bahnfahrt vor einer Plakatwand von ihrem 4-jährigen Enkel erklärt bekam: 'Oma, guck mal, da ist ein Bild von dem Maler Max Liebermann!'" Ruls Mutter lachte und ermunterte uns: "Weiter so!"

 

Ein weiteres Ziel führte uns an die Elbe in den Jenisch Park und in das Barlach Haus. Heute war das Thema "Was ist eine Skulptur?" Wir spazierten also schauend und betrachtend, kommentierend und ratend durch die Ausstellung. Auch hier gehörte das Malen der Exponate wieder zum Programm. Doch leider durften wir nur im Innenhof malen: eine Kindergruppe in diesem Alter war noch nie zu einem 'Malbesuch' im Barlach Haus gewesen, und so war man etwas unsicher. Wie mir mein Ansprechpartner im Museum sagte, habe er selber zwei Kinder im gleichen Alter und die seien recht temperamentvoll... Nun, die kennen ja nicht unser Kita-Kinder!

Als wir hinausgingen, wurden unsere Kunstwerke jedenfalls bewundert und das Benehmen der Kinder sehr gelobt! Da hatten wir mit einigen Vorurteilen aufgeräumt! Unser Tomas war allerdings etwas enttäuscht, er hätte gerne noch in den anderen Räumen gemalt. Aber vielleicht öffnet der gute Eindruck, den wir hinterlassen haben, ja künftig auch noch andere Räume ....

 

In strömendem Regen sind wir anschließend noch durch den Jenisch Park marschiert, haben die Teufelsskulptur betrachtet und angefasst, einen zufällig den Weg entlangkrabbelnden Schuster beobachtet und sind zum Schluss mit der Fähre über Finkenwerder zu den Landungsbrücken zurückgefahren.

 

Es war feucht, um nicht zu sagen: nass und regnerisch, aber die Kinder hatten dennoch ihren Spaß. Und als die Ausstellungswände mit den von den Kindern gemalten Bildern und den dazugehörigen gekauften Postkarten fertig waren, haben viele Eltern und andere Betrachter gestaunt, wie treffend die Kinder Mimik und Gesten der in sich gekehrten Barlach-Figuren wiedergegeben haben.

Übrigens: schon nach der ersten Malaktion in der Kunsthalle hat kein Kind mehr geäußert "Ich kann das nicht!" oder "Malst du mir vor?" Die Anregungen, die von den Kunstwerken ausgehen und das inzwischen entwickelte Selbstbewusstsein in die eigenen Fähigkeiten sind so groß, dass die Kinder nun einfach ihre Utensilien nehmen, sich ihre Objekte suchen und zu malen beginnen, wie es ihnen in den Sinn kommt.

 

Das abwechslungsreiche Kultur-Programm hat nicht nur den Kindern viel Spaß bereitet, auch wir Begleiterinnen haben die Kinder in anderen Situationen beobachten und kennen lernen können. Auch die Eltern sind begeistert, freuen sich über die Erzählungen ihrer Töchter und Söhne und über die gemalten Bilder. Und natürlich über die Fotos, die unsere Unternehmen dokumentieren!

 

Und nicht zuletzt: die Kultur-Touren unserer Kita-Kinder haben auch das Zusammenwachsen der Gruppen gefördert. Wie sagte doch Tomas auf dem Rückweg von der Rickmer Rickmers so richtig? "Die Mäuse und die Pandas sind jetzt Freunde!"

 

 

 

Wenn Sie mehr über die Kita Rabenhorst in Wellingsbüttel erfahren möchten, klicken Sie bitte hier!


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