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Die Jungs sitzen draußen und spinnen. Ein Bauernhof-Projekt mit Vorschulkindern der Kita Glückstädter Weg.

Der folgende Text stammt von Claudia Beil, die längere Zeit in der Kita Glückstädter Weg als Sprachtherapeutin gearbeitet hat. Sie beschreibt in ihrem Artikel ein Projekt, bei dem eine Gruppe von Vorschul- und auch älteren Kindern erste Erfahrungen mit der Herkunft und Herstellung von Lebensmitteln, Wolle und nicht zuletzt mit den Lieferanten dieser Produkte machen konnte. "Treibende Kraft bei diesem Projekt waren die Erzieherinnen der Vorschulgruppe, allen voran Birgit Knolle."

 

Wo kommen eigentlich unsere Lebensmittel her? Und wie werden sie hergestellt? – Das waren die Fragen, die zu diesem Projekt führten. Aber dann nahm unser Projekt doch einen etwas anderen Verlauf als erwartet.

 

Unser Projekt begann nämlich mit dem Besuch von zwei Lämmern in der Kita. Frau Funcke vom MobilenMitmachMuseum kam mit zweien ihrer Lämmer und einem Wagen voller Wolle, Fellen und Spinnrädern zu uns. Schafe, so erklärte sie den Kindern, waren einst die "Kuh des kleinen Mannes" und so konnte man sich, auch wenn man nicht so reich war, Wolle, Milch, Fell und Fleisch leisten. Aber erstmal erlebten die Kinder die Lämmer ganz nah und real. Und es war spannend zu sehen, wie sie reagierten. Einige rannten hin, einige rannten weg. Und die Schafe rannten vor denen weg, die zu ihnen hinliefen. Und so liefen bald alle durcheinander.

 

Wie konnte man dafür sorgen, dass die Schafe dort blieben, wo sie bleiben sollten? Eine interessante Frage und die Kinder begannen, sich Lösungen auszudenken. Die beste Idee schien zu sein, das sich alle anfassen und einen großen Kreis bilden. Das war sozusagen ein Pferch. Und da konnten die Schafe nicht mehr raus. Und da nun keiner mehr rannte, wurden auch die Lämmer ruhig. Die Kommunikation mit den Tieren war also in vollem Gange. In der Sicherheit des Kreises konnten nun auch die ängstlichen Kinder mutiger werden. Und die wilderen Kinder blieben ruhig stehen, da sie ein wichtiges 'Zaunstück' waren. Jeder hatte seinen Platz. Und wenn die Lämmer durch eine Lücke entwischen wollten, musste man schnell an seinen Nachbar rücken und die Lücke schließen. Dabei konnte man das Lamm fühlen und auch riechen. Das war ungewohnt. Wo wollen die Lämmer denn hin, wenn sie aus dem Kreis entschlüpfen wollen? Wieder wurde überlegt. Zum Futter natürlich! Und was fressen sie? Nun brachten einige Kinder Gras, boten den Tieren schüchtern das Gras an – und zur großen Freude nahmen die Lämmer das Futter auch an.

 

Dann kamen die Lämmer zurück ins Auto, denn nun ging es um den Weg der Wolle vom Schaf zum Pullover. Felle von verschiedenen Tieren und ungekämmte Wolle von Schafen wurden erfühlt und gerochen. Das war für die Kinder ungewohnt, und einige riefen laut, dass das stinke. Trotzdem waren es spannende Erfahrungen, denn der Rohstoff hatte doch noch gar nichts mit einem kuscheligen Pullover zu tun…

 

Wie aber macht man aus einem Haufen Schafwolle einen Faden zum Stricken? Mittels einer Handspindel lernten die Kinder, wie Dornröschen zu spinnen. Dabei war es sehr interessant zu sehen, wie es einigen Kindern schwer fiel, die feinen Bewegungen zu koordinieren, während andere dabei ein ungeheures Geschick entwickelten. Aber Ehrgeiz hatten alle. Und plötzlich gab es gar keine Probleme mehr damit, die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder zu halten. Sonst gibt es ja immer Vieles, was die Kinder abhält, länger bei einer Sache zu bleiben, diesmal war das nicht so. Dann kamen auch noch die Spinnräder dazu, und plötzlich saßen an allen Spinnrädern Jungs: tatsächlich, sie spannen Wolle und unterhielten sich entspannt dabei. Vielleicht haben sie dabei auch ein wenig spinnert geredet, also gesponnen?


 


Wir haben nicht zugehört, denn wir waren mit einigen anderen Kindern schon in der Kita und begannen dort mit der Käseherstellung. Einige Kinder hörten jetzt zum ersten Mal, dass dieses Naturprodukt einen langen Herstellungsweg hinter sich hat, bis es auf dem Brot landet. Um Milch haltbar zu machen und anzudicken, wird ihr das Wasser entzogen. Dabei spielt 'Lab' eine wichtige Rolle. Diese geheimnisvolle Zutat läßt die Milch gerinnen, man kann dabei zusehen. Oben setzt sich die Molke ab, die man dann abgießt. Das, was jetzt im Tuch übrig bleibt, ist wenig. Und es ist weiß, aber Käse ist doch oft gelb? Weil z.B. Carotin hinzukommt, der gleiche Stoff, der Möhren die schöne Farbe gibt. Natürlich konnten unsere kleinen Milchbauern ihren Käse am Schluss auch essen, auf Brot, und er hat ihnen geschmeckt.

 
Die nächsten Tiere, um die es im Projekt ging, waren Schweine. Von den Schweinen nutzen wir das Fleisch. Wir besprachen, was alles daraus produziert wird: Würstchen, Steak, Hackfleisch. Da es auch viele Moslemkinder in der Gruppe gab, die kein Schweinefleisch essen, näherten wir uns dem symbolischen Wert des Schweins – wir bastelten Sparschweine. Bei einem späteren Ausflug ins Zentrum für Schulbiologie und Umwelterziehung (ZSU) konnten wir dann auch richtige Schweine sehen. Aber die Kinder hatten einen solchen Respekt vor den Tieren und auch vor deren Geruch, dass sie sie lieber nicht anfassen wollten.

 

Das Thema Milch haben wir in einem nächsten Schritt noch weiter bearbeitet. Diesmal ging es zum Milchhof Kruse, der auch einige Kitas der 'Vereinigung' mit Milch, Quark und Joghurt beliefert. Dort erlebten unsere Großstadtkinder erneut, dass Tiere riechen. Im Stall standen Kühe und Ziegen. Die erste Reaktion war deshalb, rückwärts wieder aus dem Stall zu gehen. Als diese Hemmung überwunden war, kam wieder, wie bei den Schafen, der große Respekt bzw. die große Angst vor den Tieren. Auch vor dem Minikalb, das noch kaum stehen konnte. Waren die Ängste und das Geruchsproblem überwunden, trauten sich einige Kinder, die vorher nur an der Hand einer Erzieherin in den Stall gehen konnten, sogar, die Tiere anzufassen. Auch hier war wieder der unmittelbare Kontakt mit den Tieren das Beeindruckende und manchmal auch das Überwältigende für die Mädchen und Jungen. Viel schneller ließ sich Kontakt zu den kleinen Kätzchen aufnehmen, die gestreichelt, liebkost und herumgetragen wurden. Besonders beeindruckend war es, ein sonst hyperaktives und aggressives Kind unbekannt zärtlich und liebevoll mit den Kätzchen umgehen zu sehen.

 

Da die Kinder beim Melken nur zuschauen konnten, war es umso spannender, in der Kita später einmal selber Milch aus einem Gummihandschuh zu melken. Gar nicht so einfach, wie sich zeigte.




Unser letzter Ausflug ging wieder ins Zentrum für Schulbiologie und Umwelterziehung und diesmal war dort das Huhn unser Thema. Das war klein genug, um es auch mal mutig anfassen zu können. Und erstaunt festzustellen, dass es gar nicht so kuschelig ist, wie es aussieht. Verschiedene Eier wurden betrachtet, Hühnerei, Gänseei und das riesige Straußenei. Zurück in der Kita haben wir dann Eier auf verschiedene Weisen zubereitet: gebraten als Rührei und als Spiegelei und gekocht. Wie lange braucht ein Ei, bis es weich oder hart gekocht ist? Auch das konnten die Kinder mit dem Blick auf die Zeiger der Uhr ausprobieren.




Parallel zu unseren Ausflügen sangen wir im Morgenkreis das Bauernhoflied, spielten ein Bauernhofspiel, legten Bauernhofbücher bereit, schauten ein Bauernhofvideo an, fertigten mit den Kindern eine Bauernhofspielecke, d.h. eine selbstgestaltete Miniaturlandschaft für Tier- und Playmobilfiguren. Und schließlich bastelten wir Hühner, Schweine und Schafe in Lebensgröße aus Pappe und bauten ihnen in der Eingangshalle einen Pferch.

 

Den zusammenfassenden Abschluss bildete ein gemeinsames Pfannkuchenbacken und -essen. Eier und Milch, die Lebensmittel, die wir kennengelernt hatten, kommen hier zusammen zu einem köstlichen Essen.

 

Eigentlich sollte es in unserem Projekt ja vornehmlich darum gehen, zu entdecken, was uns die Tiere bringen (Schafe – Wolle, Schweine – Fleisch, Hühner – Eier und Kühe – Milch). Das hatten die Kinder zwar auch gelernt, aber das Wichtigste war doch der unmittelbare Kontakt mit den Tieren gewesen. Die Auseinandersetzung mit Lebewesen, die anders sind, größer oder kleiner, und die manchmal einen starken Geruch haben. Die Kinder hatte besonders die Entdeckung fasziniert, wie die Kommunikation zwischen Mensch und Tier stattfindet. Und sie fand statt - auch wenn dazu manchmal erst eine gewisse Scheu oder Angst überwunden werden musste!

Wenn Sie mehr über die Kita Glückstädter Weg in Osdorf erfahren möchten, klicken Sie bitte hier!


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